Papst Johannes Paul II. besucht Berlin 1996

Der Papst zelebriert Messe über Naturschall-Klangwandler

Vom Doppelkegel zur modernen Klangsäule: Die Entwicklung einer besonderen Form der Schallverteilung

Die Idee, Klang nicht nur gerichtet auf einen bestimmten Hörplatz abzustrahlen, sondern möglichst gleichmäßig im Raum zu verteilen, beschäftigt Akustiker und Entwickler seit vielen Jahrzehnten. Ein bedeutender Ansatz entstand durch den Elektronik-Ingenieur Rudolf Mechow, der mit besonderen Reflektoren und Doppelkegeln experimentierte, um eine räumlich breitere Schallausbreitung zu ermöglichen.

Im Gegensatz zu klassischen Lautsprechern, die einen großen Teil ihrer akustischen Energie gezielt nach vorne abstrahlen, sollte sich der Schall bei diesem Prinzip horizontal möglichst gleichmäßig im Raum verteilen. Dadurch entstand ein Hörerlebnis, das weniger stark an einen einzelnen „Sweet Spot“ gebunden war. Zuhörer konnten ihre Position verändern, ohne dass sich der räumliche Gesamteindruck so deutlich verschob wie bei vielen konventionellen Lautsprecheranordnungen.

Der Ursprung des Doppelkegel-Prinzips

Rudolf Mechow beschäftigte sich über einen langen Zeitraum mit der Frage, wie sich die Ausbreitung natürlicher Schallereignisse technisch besser nachbilden lässt. Ein zentrales Element seiner Arbeit war ein akustischer Doppelkegel, der oberhalb eines nach oben abstrahlenden Lautsprecherchassis angeordnet wurde.

Der Schall traf auf die Kegelflächen und wurde seitlich in den Raum umgelenkt. Aus einem zunächst vertikal arbeitenden Lautsprechersystem entstand so eine weitgehend rundum abstrahlende Schallquelle.

Das Prinzip war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Nicht die Anzahl der Lautsprecher sollte den Raumklang erzeugen, sondern die kontrollierte Verteilung der akustischen Energie.

Der Berliner Film- und Fernsehkomponist Günther Fischer beschrieb die Wirkung seinerzeit als ein deutlich verändertes Raumgefühl. Auch bei Bewegung im Raum sollte der räumliche Höreindruck weitgehend erhalten bleiben.

Vom Prototyp zum Phönix-System

In den 1990er-Jahren traf Mechow auf den Dessauer Nachrichtentechniker und Hi-Fi-Händler Grünwoldt. Dieser erkannte das Potenzial des zunächst noch experimentellen Aufbaus und beteiligte sich an der weiteren technischen und wirtschaftlichen Umsetzung.

Nach der Patentierung Mitte der 1990er-Jahre begann die Fertigung entsprechender Klangsäulen. Die daraus hervorgegangenen Systeme wurden unter der Bezeichnung Phönix angeboten und überwiegend in handwerklicher Produktion hergestellt.

Die damaligen Produkte waren keine klassischen Lautsprecher für den anonymen Massenmarkt. Konstruktion, Abstimmung und Fertigung erforderten einen vergleichsweise hohen manuellen Aufwand. Entsprechend richteten sie sich vor allem an anspruchsvolle private Hörer sowie an professionelle Anwender, die eine besonders gleichmäßige Beschallung größerer Räume suchten.

Nachdem sich Mechow aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen aus der operativen Arbeit zurückgezogen hatte, wurden Materialien und Rechte nach Angaben des damaligen Zeitungsberichts von Grünwoldt übernommen. Die Phönix-Produktion wurde anschließend in Dessau weitergeführt.

Damit begann eine eigenständige unternehmerische Phase unter dem Namen Phönix. Sie ist historisch von später entstandenen Unternehmen, Marken und Produktentwicklungen klar zu unterscheiden.

Historische Referenzen der damaligen Phönix-Systeme

Ein Artikel der Mitteldeutschen Zeitung aus dem Jahr 2001 berichtete von einer Produktion von rund 750 Lautsprecherpaaren pro Jahr und von einem internationalen Vertrieb bis nach Südamerika. Diese Zahlen beruhen auf den damaligen Angaben des Phönix-Unternehmens und lassen sich heute nicht unabhängig verifizieren.

Im selben Bericht wurden mehrere bemerkenswerte Einsatzorte und Veranstaltungen genannt, bei denen seinerzeit Phönix-Klangsäulen beziehungsweise entsprechende Systeme eingesetzt worden sein sollen:

  • das Sportstudio des Bayerischen Fernsehens,
  • das Haus der Musik in Wien,
  • ein Referenzsaal der Wiener Philharmoniker,
  • ein Hörsaal des Max-Planck-Instituts in Stuttgart,
  • ein Open-Air-Festival in Barcelona,
  • sowie die Papstmesse im Berliner Olympiastadion im Jahr 1996.

Für die Papstmesse sollen insgesamt 26 Klangsäulen im Stadion eingesetzt worden sein. Ziel war es, Sprache, Musik und liturgische Inhalte möglichst verständlich und gleichmäßig im weitläufigen Stadionrund zu übertragen.

Diese Referenzen dokumentieren die historische Wahrnehmung und Nutzung der damaligen Phönix-Systeme. Sie sind dem zu dieser Zeit tätigen Unternehmen und den damaligen Verantwortlichen zuzuordnen.

Klare Abgrenzung zu CAMPATON

CAMPATON ist nicht als unmittelbarer Unternehmensnachfolger von Phönix zu verstehen. Ebenso wenig dürfen historische Phönix-Referenzen automatisch als Referenzen von CAMPATON dargestellt werden.

Die spätere CAMPATON-Gesellschaft wurde erst 2002 – zunächst unter einer anderen Firmierung – gegründet. Ihre unternehmerische Entwicklung, ihre Produktlinien und ihre technischen Lösungen entstanden in einer eigenen Unternehmensstruktur.

Es bestehen historische und technologische Berührungspunkte innerhalb des Themenfeldes der rundum abstrahlenden Klangsäulen. Daraus ergibt sich jedoch keine lineare Unternehmensnachfolge und auch keine pauschale Übernahme früherer Projektreferenzen.

Eine fachlich korrekte Einordnung unterscheidet deshalb zwischen:

  • den grundlegenden Entwicklungsarbeiten Rudolf Mechows,
  • der späteren wirtschaftlichen Umsetzung und Vermarktung durch Phönix,
  • sowie der eigenständigen Unternehmens- und Produktentwicklung von CAMPATON ab 2002.

Diese Trennung ist wichtig, weil technische Ideen, Patente, Unternehmen, Marken, Produkte und konkrete Referenzprojekte nicht automatisch identisch sind.

Ein Prinzip entwickelt sich weiter

Die historische Bedeutung des Doppelkegel-Prinzips liegt vor allem darin, einen alternativen Ansatz zur klassischen gerichteten Lautsprecherwiedergabe aufgezeigt zu haben. Der Raum wurde nicht mehr nur als störender Einfluss betrachtet, sondern aktiv in die akustische Wahrnehmung einbezogen.

Moderne Klangsäulen greifen die grundsätzliche Zielsetzung einer großflächigen und gleichmäßigen Schallverteilung auf, entwickeln Konstruktion und Anwendung jedoch weiter. Neue Materialien, veränderte Geometrien, moderne Chassis, digitale Signalverarbeitung, aktive Elektronik und präzisere Fertigungsverfahren eröffnen heute Möglichkeiten, die in den frühen Entwicklungsphasen noch nicht verfügbar waren.

Auch die Anforderungen haben sich verändert. Neben dem privaten Musikhören stehen heute unter anderem Anwendungen in Hospitality, Wellness, Gastronomie, Präsentationsräumen, Showrooms, Büros, Kulturstätten und im Eventbereich im Fokus.

Technische Geschichte braucht klare Zuordnung

Die Entwicklung rundum abstrahlender Klangsäulen ist keine einfache Geschichte eines einzigen Unternehmens. Sie setzt sich aus Erfindungsarbeit, Kooperationen, Patenten, handwerklicher Umsetzung, wirtschaftlicher Vermarktung und späteren unabhängigen Weiterentwicklungen zusammen.

Rudolf Mechow kommt dabei eine wichtige Rolle als früher Entwickler des Doppelkegel-Prinzips zu. Phönix steht für eine konkrete Phase der Fertigung und Vermarktung in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren. CAMPATON wiederum verfolgt seit seiner eigenen Gründung einen separaten unternehmerischen und technologischen Weg.

Gerade diese differenzierte Betrachtung macht die Entwicklung spannend: Eine akustische Grundidee kann über Jahrzehnte hinweg neue Konstruktionen und Anwendungen inspirieren – ohne dass daraus automatisch eine direkte Unternehmensnachfolge entsteht.


Historische Quelle:
Frank Zimnol: Artikel über Phönix-Klangsäulen, Mitteldeutsche Zeitung, veröffentlicht beziehungsweise aktualisiert am 28. Oktober 2001.

Quelle: https://www.mz.de/deutschland-und-welt

Die im historischen Teil genannten Produktionszahlen, Aussagen und Referenzprojekte beruhen auf der damaligen Berichterstattung und den darin wiedergegebenen Unternehmensangaben.



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